Essbares Dorf Raddusch: lecker + regional!

„Vogelgezwitscher und das Zirpen der Grillen wecken mich morgens. Von dem Balkon strömt der frische Regengeruch in meine Nase. Die Sonne bestrahlt die Wiese – voller Obstbäume, gefüllter Hochbeete und Blumen, aus denen das Summen der Bienen und Hummeln tönt…“

Ein Bild, das jeden ein bisschen dazu verführt, Teil des folgenden Projekts zu sein.

Das Projekt „Essbares Dorf Raddusch“ will der Gemeinschaft den Zugang zu gesunden Lebensmitteln aus der Region ermöglichen und gleichzeitig den Zusammenhalt in der Gemeinschaft stärken. Hinter dem Projekt stecken viele engagierte Mitglieder, die Mensch und Natur wieder näher verbinden und eine umweltschonende Zusammenarbeit mit der Natur anstreben. Getragen wird das Projekt vom Sportverein „Spielvereinigung Raddusch 1924 e.V.“ und die SPREEAKADEMIE wurde mit dessen Umsetzung beauftragt. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

Dorfentwicklung aus eigener Kraft

Mit unterschiedlichen Angeboten wird zur Projektentwicklung und zum Mitmachen angeregt, ganz gleich ob jung oder alt, Zugezogen oder im Dorf geboren oder eher für eine kurze Zeit zu Besuch, alle sind eingeladen mitzuwirken. Wobei? Z.B. bei der Wiederentdeckung von traditionellen Rezepten, Wissen darüber, wie man sich selbst nachhaltig und regional mit Lebensmitteln aus dem Garten versorgt oder welche Prozesse hinter den Mahlzeiten in der Gastronomie stecken. Lebensmittel vom Samen in die Erde – vom Feld auf den Teller – regional und umweltschonend. Die Beschreibung des Essbaren Dorfs bezieht sich auf die schon erwähnte Tradition dieser Region. Man kann als Gast an den von Pflanzen gefüllten Hochbeeten und deren Geschichte zehren.

Arten- und Klimaschutz ganz praktisch erlebbar

Das Projekt möchte der Natur wieder einen höheren Stellenwert in unserem Tun einräumen. Und dies ganz praktisch und mit Genuss. Es werden wieder heimische Gehölze an Dorf-, Weges- und Ackerrändern gepflanzt und gepflegt. Belohnt wird diese Arbeit mit leckeren Früchten im Spätsommer und Brummen und Summen von März bis Oktober. Einen reichen Tisch bieten auch Wildblumenwiesen, welche u.a. der Dürre um Sommer der letzten Jahre trotzten und reichhaltig blühen.

Permakultur, Pyrolyse, Konservieren – Was hat das mit essbares Dorf zu tun?

Ein mögliches Vorbild für das Projekt „essbares Dorf“: der pädagogische Garten des Permakultur-Ökodorfs Alôsnys in der Bourgogne (2012)

Auch hier sollen Vorurteile gebrochen werden. Die romantisierte Sicht auf die Landwirtschaft hat sich über mehrere Generationen durchgesetzt. Oft kommt einem nicht in den Sinn, wie kleinteilig die Arbeit ist, was aber die Schönheit dieser Arbeit nicht ausschließt.

Egal, ob Anfängerinnen, Amateurinnen, oder alter Hase in der Landwirtschaft, niemands Wissenspotenzial ist ausgeschöpft. Hier wird der Wissenshunger in den Themen; Konservieren von Lebensmitteln, Pyrolyse, Permakultur… versucht zu stillen. Das Konservieren oder Einwecken von Gemüse ist natürlich leicht googlebar, aber hier werden traditionelle Rezepte gezeigt, welche z.B. den Gurken den Spreewälder Flair verleihen.

Brandenburgerinnen schelten gerne über ihren Sand und wie unfruchtbar der Boden dadurch ist. Dem kann man durch Pyrolyse entgegenwirken. Es wird dabei Biomasse (Holz, Blätter…) fast ohne Sauerstoff in einem speziellen Kessel/Ofen verkohlt. Der Vorteil an diesem Aufwand beweist sich in der emissionsarmen Herstellung und einer sehr effizienten Ausbeute aus dem Bio-Müll. Denn beim klassischen Verbrennen gibt es einerseits eine hohe Emissionsbelastung, ähnlich beim Kompostieren, und die Nährstoffausbeute für die Pflanzen ist ineffizienter.

Um in Zusammenarbeit mit der Natur leben zu können, darf ihr Netzwerk aus unterschiedlichen Beziehungen zwischen Lebewesen untereinander und zwischen der unbelebten Umwelt nicht unterbrochen werden. Daran knüpft der Gedanke einer Permakultur. Es wird versucht als Mensch sich mit einem kleinstmöglichem Kollateralschaden in dieses System zu integrieren. Diese Lebensart wird hier in Raddusch für die Region dargestellt.

Letztendlich wird bewiesen, dass ein nachhaltiges Leben in diesen Breitengraden möglich ist.

Und drumherum?

Wenn es einen in die Natur zieht, dann stehen auch viele andere Optionen offen, zum hautnahen Erleben des einzigartigen Biotops. Zum einen die Kahnfahrten, welche eine regional sehr traditionelle Art ist, sich als Besucher von Informationen des Fährmanns oder der Fährfrau und der Spree strömen zu lassen oder einfach zum Kopf abschalten und die Natur bewundern. Zum anderen kann man sich die Füße auf den Wanderwegen abtreten oder man tritt in die Pedalen des eigenen oder geliehenen Fahrrads.

Jedoch ist bei diesen Unternehmung Obacht geboten, denn die Natur sollte mit ihren Mitgliedern respektiert werden, deswegen sollte man z.B. das Verlassen der Wege vermeiden. Nach einem Ausflug auf dem Rad, zu Fuß oder wie auch immer, kann man an den vom Verein aufgebauten Hochbeeten am Wegesrand Energie tanken – ein Leckerbissen frisch aus dem Hochbeet, eine Ruhepause für die Beine auf der Bank und Solarstrom für das Handy. Bei knurrendem Magen bietet Raddusch einige Möglichkeiten in den Gastronomien, sein Bedürfnis nach regionalen Mahlzeiten zu befriedigen.

Anreise

Wenn das Interesse geweckt ist und der Wille dazu aktiviert, das Projekt zu unterstützen, sich weiterzubilden oder die frische Spreewaldluft zu atmen, dann kann die Anreise entweder mit den ÖPNV oder mit dem Auto bewältigt werden. Wenn am Ende Fragen unbeantwortet stehen, dann kontaktieren Sie uns gerne oder gleich beim Essbaren Dorf Raddusch.

Artikel von Felix Stein


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